FAQ

1. Gibt es eine eindeutige Definition von „Arbeitgeberzusammenschlüssen“?

In Deutschland gibt es, anders als in Frankreich, für Arbeitgeberzusammenschlüsse keine eigene gesetzliche Regelung. Den Begriff kann daher im Prinzip jeder benutzen und es könnten sich viele verschiedene Modelle dahinter verbergen. Die nach dem französischen Modell gegründeten und im Bundesverband der Arbeitgeberzusammenschlüsse Deutschland e. V. zusammengeschlossenen AGZ haben daher Qualitätsstandards festgelegt, die die Qualitäten von AGZ definieren.

2. Wer kann Mitglied in einem AGZ werden?

Mitglied in einem AGZ können alle Arbeitgeber werden: Unternehmen, aber auch private Arbeitgeber, Vereine oder kommunale Einrichtungen.

3. Wie teuer sind die AGZ-Arbeitskräfte?

Gemäß den Qualitätsstandards der Arbeitgeberzusammenschlüsse erhalten die AGZ-Beschäftigten mindestens gleichen Lohn und gleiche Arbeitsbedingungen wie vergleichbare Beschäftigte der Stammbelegschaften (equal pay, equal treatment). Der Lohn eines AGZ-Beschäftigten kann je nach Einsatzbetrieb unterschiedlich hoch sein.

In der Regel wird mit einem Aufschlag von ca. 15% auf das umgesetzte Arbeitgeber-Brutto kalkuliert, der die Managementkosten des AGZ deckt. Über zusätzliche Leistungen (z. B. Qualifizierungen) und damit auch zusätzliche Kosten entscheiden die am AGZ beteiligten Unternehmen.

4. Warum müssen beim AGZ Einsatzzeiten garantiert werden, zusätzliche Arbeitskräfte werden doch gerade unvorhergesehen und kurzfristig gebraucht?

Damit ein AGZ kalkulieren und kostengünstig arbeiten kann, müssen die Mitgliedsunternehmen die Einsatzzeiten, für die sie die AGZ-Mitarbeiter/-innen brauchen, planen und dem AGZ die Bezahlung der festgelegten Zeiten garantieren. Nur durch diese Garantien kann ein AGZ mit geringen Ausfallzeiten und kostengünstig arbeiten und trotzdem den Arbeitgebern ihre Fachkräfte zusichern und den Beschäftigten faire Arbeitsbedingungen und sichere Arbeitsplätze bieten. Je mehr Beschäftigte ein AGZ hat, desto besser kann aber auch der kurzfristige Arbeitskräftebedarf durch den AGZ abgedeckt werden.

5. Wie viel „Papierkram“ ist erforderlich, um Mitglied in einem AGZ zu werden?

Um Arbeitskräfte eines AGZ in Anspruch nehmen zu können, ist die Mitgliedschaft in einem AGZ, in der Regel eine Genossenschaft, notwendig.

Für den jeweiligen Einsatz der Beschäftigten werden Abrufvereinbarungen zwischen dem AGZ und dem Einsatzbetrieb geschlossen. Sie enthalten Angaben zu Zeit, Ort, Umfang und Inhalt der Beschäftigung sowie qualifikatorische und sonstige Anforderungen an die Beschäftigten.

 

6. Wie groß ist das Risiko, sich an einem AGZ zu beteiligen?

Grundsätzlich gehen die Unternehmen, die sich an einem AGZ beteiligen, dieselben Arbeitgeber-Risiken ein, wie wenn sie selbst Arbeitskräfte einstellen würden, jedoch teilen sie sich dieses Risiko mit anderen Unternehmen. Genau wie bei jedem eigenen Mitarbeiter besteht das Risiko, dass er krank wird oder er die Arbeit nicht in der geplanten Zeit erledigen kann. Jedes Unternehmen zahlt im AGZ für die durch eine Abrufvereinbarung gebundenen Arbeitskräfte; wenn keine Alternative gefunden wird auch für den Fall, dass sie nicht in Anspruch genommen werden. Normalerweise findet sich jedoch ein Weg, die Arbeitskräfte anderweitig einzusetzen, Ausweichmöglichkeiten sind im AGZ leichter zu finden als in einem einzelnen Kleinunternehmen.

Die Risiken des gemeinsamen Geschäftsbetriebs des AGZ sind in den jeweiligen Gesellschaftssatzungen geregelt. Dort sind auch die Rechte und Pflichten der Unternehmen und des AGZ-Managements, der Umgang mit Risiken, Gewinnen und Verlusten, Mitbestimmungsrechte und Entscheidungswege festgelegt.

7. Wer bekommt die Gewinne, die ein AGZ macht?

Arbeitgeberzusammenschlüsse sind „Unternehmen der Unternehmen“, es gibt neben Arbeitgebern und Arbeitnehmern keinen „Dritten“, der Gewinne abschöpft. Arbeitgeberzusammenschlüsse sind nicht auf Gewinnerzielung, sondern auf eine nicht gewinnorientierte Zusammenarbeit im Sinne eines gemeinsamen Nutzens und einen kostendeckenden Geschäftsbetrieb ausgerichtet. Erzielte Überschüsse können entsprechend der Satzung an die Mitglieder ausgezahlt, in Weiterbildung investiert oder als Rücklagen genutzt werden.

 

8. Wer garantiert, dass die Arbeitskräfte des AGZ keine Betriebsgeheimnisse verraten?

Der AGZ sichert dies, wie jedes andere Unternehmen und jede Zeitarbeitsfirma auch, vertraglich ab. Mit Ausnahme von hochsensiblen Bereichen ist diese Befürchtung jedoch unbegründet, da in der Regel die durch den Einsatz in vielen Unternehmen vielfältige Kenntnisse und Erfahrungen, die die Mitarbeiter/-innen im AGZ erwerben, allen Unternehmen nützen. Außerdem können sich Unternehmen von illoyalen Mitarbeiter(n)/-innen aus dem AGZ einfacher trennen als von eigenem Personal.

9. Wer bezahlt die Weiterbildung der AGZ-Beschäftigten?

Wie viel in die Qualifizierung der Beschäftigten investiert wird, hängt von den Erfordernissen der Mitgliedsunternehmen ab. Diese entscheiden auch, welche Weiterbildungen allen Mitgliedsunternehmen zugute kommen und die Kosten gemeinschaftlich getragen werden oder ob bestimmte betriebsspezifische Qualifizierungen oder Zertifikate nur von einzelnen Unternehmen gebraucht und dann auch nur von diesen bezahlt werden.

Gemeinschaftliche Weiterbildungskosten können in die prozentualen Aufschläge auf die Lohnsumme einkalkuliert oder gesondert abgerechnet werden. Da kompetente und vielfältig einsetzbare Mitarbeiter/-innen das Kapital eines Arbeitgeberzusammenschlusses und seiner Mitgliedsunternehmen sind, sollte an der Qualifizierung nicht gespart werden. Es müssen aber nicht immer externe Weiterbildungen sein. Nicht zu unterschätzen ist die Kompetenzentwicklung, die durch das Arbeiten an unterschiedlichen Arbeitsplätzen entsteht: abgestimmte Einsatz- und Qualifizierungspläne können effektiv und Kosten sparend sein.

10. Macht es für Arbeitnehmer/-innen einen Unterschied, ob sie in verschiedenen Unternehmen bei einer Zeitarbeitsfirma oder einem AGZ arbeiten?

Ja, denn die Beschäftigten von Zeitarbeitsfirmen dürfen bundesweit in immer wechselnde Unternehmen verliehen werden, die Arbeitnehmer/-innen eines Arbeitgeberzusammenschlusses arbeiten ausschließlich in den Mitgliedsunternehmen. Üblicherweise sind es zwei bis vier unterschiedliche Arbeitsplätze, die sie im Laufe eines Jahres besetzen, entweder saisonal nacheinander oder kontinuierlich halbtags, tage- oder wochenweise wechselnd. Abgesehen von notwendigen oder auch gewünschten Änderungen arbeiten die Arbeitnehmer/-innen im folgenden Jahr wieder in denselben Unternehmen. Durch die Kontinuität wird Routine und Sicherheit bei den Arbeitseinsätzen und die Möglichkeit zu sozialen Kontakten geschaffen.

 

11. Wie wird ein AGZ gegründet?

Die Gründung eines Arbeitgeberzusammenschlusses erfolgt in zwei Schritten:

1.                  Es muss geklärt werden, ob

  • bei den Arbeitgebern einer Region ein ausreichend großer Bedarf an saisonalen und Teilzeit-Arbeitskräften besteht,
  • sich dieser Bedarf zu Vollzeit-Arbeitsplätzen kombinieren lässt,
  • die Arbeitgeber/Unternehmen bereit sind, einen Arbeitgeberzusammenschluss zu gründen.

Für diese Klärung wird in der Regel im Rahmen einer Machbarkeitsstudie Förderung aus regionalen, Landes- und/oder EU-Mitteln in Anspruch genommen.

2.                  Ist über solch eine Untersuchung die Machbarkeit eines Arbeitgeberzusammenschlusses ermittelt worden, kann der Schritt der Gründung erfolgen: Eine Rechtsform muss gewählt und eine juristische Person gegründet werden, Funktionen und Management müssen geklärt und die Vorbereitungen für das laufende Geschäft, z. B. die Einrichtung eines funktionstüchtigen Büros, getroffen werden, Arbeitnehmer/-innen müssen geworben und eingestellt werden. Mit der Einstellung der ersten Beschäftigten ist der Arbeitgeberzusammenschluss funktionsfähig und muss die Qualitätsstandards von Arbeitgeberzusammenschlüssen erfüllen.

12. Welche rechtlichen Regelungen müssen bei der Gründung eines AGZ unbedingt beachtet werden?

Damit die in mehreren Unternehmen arbeitenden AGZ-Beschäftigten über einen einzigen Arbeitsvertrag eingestellt werden können, muss der Zusammenschluss eine Rechtsform haben. Erprobt sind bisher die Genossenschaft und die GmbH, wobei die Genossenschaft (eG) als Gesellschaft zur Förderung der Wirtschaft ihrer Mitglieder durch den gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb die Idee der Arbeitgeberzusammenschlüsse am besten verkörpert. Die Gründung als GbR ist möglich, aber durch ihre Haftungs- und Austrittsregelungen problematisch. Als Verein wird ein Arbeitgeberzusammenschluss nicht eingetragen.
In Deutschland gibt es (noch) keine adäquaten rechtlichen Regelungen, die das AGZ-Modell der solidarischen Selbsthilfe zwischen eigenständigen Betrieben im Personalbereich widerspiegeln würden. Daher fallen Arbeitgeberzusammenschlüsse zurzeit noch unter das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG), das sich auf die Leiharbeitsbranche und auf gewerbsmäßige Arbeitnehmerüberlassung bezieht.

13.  Ist es nicht schwierig, ohne klare Rechtsform wie in Frankreich einen AGZ aufzubauen?

Ja, es ist schwierig. Die bereits gegründeten Arbeitgeberzusammenschlüsse in Deutschland leisten Pionierarbeit. Sie erarbeiten im gegebenen Rechtsrahmen und mit den zur Verfügung stehenden Instrumenten praktikable und tragfähige Lösungen, um den Grundgedanken der nicht gewinnorientierten Zusammenarbeit im Sinne eines gemeinsamen Nutzens zu realisieren. Dabei stoßen sie oft auf den Widerspruch zwischen gewerbsmäßiger Arbeitnehmerüberlassung und dem Modell unternehmerischer Selbsthilfe. Da das Modell für kleine und mittelständische Unternehmen überzeugend ist, finden sie aber auch eine breite Unterstützung.

14. Ab wann trägt sich ein AGZ?

Ab ca. 40 Beschäftigten sind die Umsätze so hoch, dass sich 1 – 2 Personen für ein professionelles Personalmanagement finanzieren lassen.

15. Kann ein AGZ staatliche Förderungen erhalten?

Ein funktionierender Arbeitgeberzusammenschluss erhält keine spezielle Förderung. Im laufenden Geschäftsbetrieb muss die Organisation des Arbeitgeberzusammenschlusses kostendeckend sein.

Da der Bekanntheitsgrad von Arbeitgeberzusammenschlüssen noch gering ist, bedarf es in der Regel einer Person, der die Unternehmen und Vereine über Arbeitgeberzusammenschlüsse informiert und mit ihnen Kosten und Nutzen eines AGZ diskutiert. Diese „Machbarkeitsstudie“ wird meist nicht von den Unternehmen, sondern über öffentliche Förderung finanziert. Auch in der Gründungsphase werden die Kosten selten ausschließlich von den Unternehmen getragen. Es gibt hierfür unterschiedliche Förderungen, in Brandenburg z. B. eine eigene Richtlinie des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie, in der eine Mindestbeteiligung der Unternehmen von 10 bzw. 25% festgelegt ist.

16. Können AGZ neben der Fachkräfteteilung andere Dienstleistungen für ihre Mitgliedsunternehmen erbringen?

Ja, das AGZ-Management kann neben der Weiterbildung und Qualifizierung der AGZ-Beschäftigten diese auch für die Stammbelegschaften organisieren. Es kann für die Mitgliedsunternehmen geeignetes Personal für die Stammbelegschaft suchen, auswählen und die Einstellung vorbereiten und auch die Verwaltung des Stammpersonals kleiner Unternehmen in ihrem Auftrag übernehmen. Das AGZ-Management kann Verbundausbildung organisieren, Jugendliche für die Ausbildung suchen, einen Ausbilder einstellen, der in mehreren Betrieben diese Aufgabe übernimmt oder selbst eine Ausbildungsberechtigung beantragen.

17. Warum dürfen AGZ ihre Arbeitskräfte nicht in Ausnahmen an Nicht-Mitglieder verleihen, wenn es wirtschaftlich sinnvoll und erforderlich ist?

Das Kerngeschäft der Arbeitgeberzusammenschlüsse, die Personalteilung, ist in den Qualitätsstandards strikt auf Mitgliedsunternehmen beschränkt worden, ist, weil es im Hinblick auf die Identität des Modells der Arbeitgeberzusammenschlüsse elementar ist. Andere Dienstleistungen können jedoch auch anderen Unternehmen angeboten werden.

18. Braucht ein AGZ ein eigenes Management?

Hat ein AGZ wenige Mitglieder und beschäftigt nur zwei oder drei Arbeitskräfte, kann eines der Mitgliedsunternehmen die Organisation der Arbeitseinsätze übernehmen. Für einen regionalen Arbeitgeberzusammenschluss mit vielleicht 50 Beschäftigten ist ein eigenes AGZ-Management erforderlich.

Das AGZ-Management erledigt die Organisationsarbeit eines Arbeitgeberzusammenschlusses, die im Wesentlichen in der Verwaltung und Koordination der gemeinschaftlich Beschäftigten besteht. Dazu gehören Einstellungsgespräche, das Erstellen von Arbeitsverträgen und Arbeitsplänen in den verschiedenen Unternehmen, Einarbeitung, Lohnbuchhaltung, kurzfristige Umorganisationen bei Krankheiten und Notfällen, Weiterbildungspläne, Anwerben neuer Unternehmen und neuer Arbeitnehmer/-innen, Einberufen von Mitgliedsversammlungen etc..

 

19. Was ist der BV-AGZ?

Der BV-AGZ ist der Bundesverband der Arbeitgeberzusammenschlüsse Deutschland e. V.. Mitglied des Vereins können Arbeitgeberzusammenschlüsse, Organisationen, die die Gründung und den Betrieb von Arbeitgeberzusammenschlüssen vorbereiten, andere in besonderer Weise AGZ fördernde Organisationen sowie natürliche Personen werden.

Weitere Informationen über den BV-AGZ und seine Geschäftsstelle sind auf dieser Webseite unter http://arbeitgeberzusammenschluesse.de/ueber-uns/ zu finden.